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Chris Rehberg Andreas Murkudis Table Furniture Design Luxury Fashion Berlin

Konversation

DOUBLE STANDARDS kennt keine Standards

Während eines Besuchs in Chris Rehbergers Studio und Kulturwerkstatt in einem Hinterhof in Kreuzberg, reden wir mit dem Designer über seine künstlerische Vision, die er mittlerweile in seinen drei Unternehmen DOUBLE STANDARDS, dem Sub-Label LIVING STANDARDS und dem Plattenlabel PERLON verwirklicht.

Durch den beschichteten Fadenvorhang, der an zerschnittenes Vinyl erinnert, werden wir von Chris begrüßt und schon im Moment des Eintretens wird deutlich, wie sich die vielfältigen Projekte des Stuttgarters in seinen Räumlichkeiten zusammenfügen. Der starke Stamm, dessen Äste in verschiedene Richtung auswachsen. Den Anfang machte der gelernte Grafikdesigner und Typograf in der Print-Industrie bei einer Zeitschrift und versuchte sich danach in der Werbung, sowie auch im Packaging Design. Obwohl ihm alle nahelegten, sich auf eine Sache zu spezialisieren, fand er sich in keinem Teilbereich wirklich wieder. Ähnlich wie Andreas lässt auch Chris sich nicht auf eine Sache festlegen. Er fing mit dem Studio DOUBLE STANDARDS an und macht heute neben kreativer Gestaltung für kulturelle Betriebe auch Strategie, Events, Beratung, Video und eben Objekte für das Sub-Label LIVING STANDARDS und betreibt darüber hinaus mit Markus Nikolai und Thomas Franzmann das Plattenlabel PERLON. Die Notwendigkeit bestimmt den Prozess der Entwicklung bei Chris und so kommen Tasche, Tisch, Brille, Lampe und auch Musik zusammen.

Chris, erzähl uns von deiner ersten Begegnung mit Andreas.

Das ist schon ewig her. Das war noch im ersten Laden im Hinterhof in der Münzstraße. Ich ging damals als Kunde hin. Ich hab Andreas immer als extrem angenehm empfunden, unaufdringlich, niemals pushy – er war mir vom ersten Moment an sehr sympathisch. Ich erinnere mich noch an eine Hemdjacke von Kostas Murkudis, die ich dort gekauft habe. Das war eine Art Hemd mit Reißverschluss, was man als Jacke tragen konnte, und ich hatte die ewig, bis sie auseinandergefallen ist. Ich war echt traurig, als sie kaputtging. 


Du hast 2016 schon deine Standard Bag über LIVING STANDARDS bei uns vorgestellt und jetzt präsentierst du die OCSID-Lampe und den TurnTable, die auch über LIVING STANDARDS vertreten werden – was genau war bzw. ist deine Idee hinter LIVING STANDARDS? Und werden wir bald mehr Möbel von Euch sehen?

DOUBLE STANDARDS hat eine Kultur entwickelt die in der Strategie, Idee, Grafik und im Print verwurzelt ist, aber wir haben immer schon ein Fetisch für Objekte gehabt. Wir haben für unsere Auftraggeber alles übernommen – von Filmen über Trophäen bis hin zu speziellen Objekten. Als wir die Idee für die Tasche hatten, dachte ich, dass die Verwirrung jetzt zu groß wird. Dafür müssen jetzt ein Label dafür gründen und Moni nannte dann das Ganze dann LIVING STANDARDS. Also haben wir die beiden Geschäftsfelder getrennt und das Sub-Label gegründet. Die Agenturarbeit liegt bei DOUBLE STANDARDS und die Objekte bei Living Standards. 
Ich weiß gar nicht, ob ,Möbel‘ der richtige Begriff dafür ist. Ich verstehe die Produkte, die wir über LIVING STANDARDS vertreiben, eher als Objekte. Was die Zukunft angeht: Wir haben gerade einige Sachen in der Pipeline, bei denen wir noch die Produktionsumstände klären müssen. Aber es sind auf jeden Fall einige neue Objekte zu erwarten.

Jedes der Objekte trägt einen anderen Raum in sich und mit sich. Wo ist das Living-Moment in den Objekten für dich formuliert?


Für uns funktioniert alles als Raum. Auch Grafik existiert nicht als autarkes Objekt. Ein Poster braucht zum Beispiel einen Raum um sich herum, damit es überhaupt erst kommunizieren kann und existieren kann. Für mich ist alles Raum-gebend und Raum-formend und Raum-greifend. Daher ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, dass diese Dinge im Raum wiedergegeben sind – ich sehe mich in meiner Arbeit als eine Art Space Invader (lacht).

Chris Rehberg Andreas Murkudis Table Furniture Design Luxury Fashion Berlin
Processed With VSCO With A6 Preset

Hast du persönliche ‚Standards‘, die deine Sicht auf Produkt- bzw. Grafikdesign und auch Musik beschreiben?

Ja, aber ich kann sie nicht klar benennen. Es fällt mir erst auf, wenn der Moment da ist und ich eine Entscheidung treffen muss. Deswegen weiß ich nicht genau, wie ich das definieren soll. Am schnellsten könnte man es wohl so beschreiben, dass es einfach ist, fast sogar bis zur Peinlichkeit einfach.

Also könnte man sagen, Standards sind ein Gefühl?

Ja und wir haben unsere ganz eigenen Standards, denen wir folgen, über die wir aber nicht wirklich reden müssen. Am Ende geht es ja immer um eine bestimmte Qualität, jeder definiert diese für sich selbst und die muss sich wiederum mit den Ansprüchen der Auftraggeber treffen. Das ist immer gleichzeitig ein kultureller Abgleich. Da sind auch wir gerne unser eigener Auftraggeber.

Noch einmal zurück zu dem TurnTable-Tisch – er erinnert uns an den Prototypen von Enzo Mari aus den 60er-Jahren … Wie hast du dem Klassiker deine eigene Handschrift verliehen?

Die Anleihe bei Mari ist richtig, ich mag seinen Prä-Ikea-Ansatz: Ich brauche einen Tisch, dafür brauche ich Holz und dann bau ich mir den einfach. Das ist für mich die demokratischste Art, Möbel zu denken. Es gibt aber auch einen tollen, jungen Designer aus Holland, Wouter Scheublin, der einen Stuhl gebaut hat, der mich in der Formgebung des Tisches inspiriert hat. Man sollte alle Einflüsse begrüßen, die einen in der Konzeption anregen, denn es sind schon so viele großartige Dinge gemacht worden. Diese Einflüsse kann man zusammenführen und daraus etwas Neues entstehen lassen. Wer den Tisch sieht, soll entweder inspiriert sein den selbst zu bauen oder die Möglichkeit bekommen, ihn zu kaufen. Die Tische können auch nach Maß gebaut werden, vom Coffee-Table bis zum Tisch für acht Leute. Ich habe mir zuhause so einen Tisch fürs Wohnzimmer als Esstisch gebaut. Ich will Objekte kreieren die wirklich einladen zu kommunizieren. Und zum Thema Handschrift: Die Tischplatte trägt auf der Rückseite meine Signatur. 


Die OCSID-Lampe wird beschrieben als „Inversion der Diskokugel“ – statt Reflexion wirft sie Schatten. Wie stehst du zu der Berliner Ausgehkultur heute, auch im Hinblick auf dein eigenes Label Perlon, mit dem ihr jeden Monat im Berghain einen Abend kuratiert?

Genau, die Lampe hat einen negativen Diskokugel-Effekt. Als Kommentar wollten wir zuerst eine Diskokugel in schwarzen Tauchlack zu tauchen, aber das war mir dann ein wenig zu plump. Ich dachte darüber nach, wie man eine Art Rückwärts-Diskokugel‘ erschaffen kann, und dabei ist die Lampe entstanden. Ausgelöst wurde die Aktion durch die GEMA-Diskussion: Was bedeutet es für Clubs, die nicht einmal GEMA registrierte Musik spielen und dennoch die Abgaben zahlen muessen? Die hätten dicht machen können. Und zur Ausgehkultur heute: die hat sich professionalisiert. Ausgehen an sich ist immer noch ein Highlight. Heutzutage geht man sehr ausgewählt eher einmal oder zweimal im Monat richtig tanzen. Allgemein ist das Nachtleben mehr in Bahnen gelenkt worden, im Vergleich zu den 90ern, in denen auf den Warehouse-Parties Tanzräume durch Plastikplanen definiert wurden und krachender Techno lief. Heute ist die Technik, die Qualität, superwichtig – die Leute sind sehr an Höhen, Mitten und Bässen interessiert und wollen Klangqualität.

Sowohl den Tisch als auch die Lampe hast du gewissermaßen auf den Kopf gestellt – findet sich das auch bei der Sonnenbrille von PERLON für MYKITA? 


Das scheint unser Thema zu sein. Ja. Der Traum war aus unserem Perlon-Schriftzug die Form einer Brille abzuleiten. Als ich die Idee das erste Mal kommuniziert habe, dachten alle, wir würden aus einzelnen Lettern unseres Logos ein Brillenglas formen wollen. Oder den Schriftzug auf die Brillengläser fräsen lassen – was natürlich keine Option war. Eigentlich ist es eine ganz einfache Idee, deren Umsetzung aber doch komplex war. Wir wollten die geradlinige und gleichzeitig runde Form des Schriftzuges in die Form der Brille übersetzen –
 Wir haben die Buchstaben so lange gedreht, gewendet und übereinander geschichtet bis sich eine Glasform ablesen liess, die diesem Anspruch genügt hat. Die Geraden, Schrägen und Rundungen des Logos finden sich jetzt in der Brille wieder.

Chris Rehberg Andreas Murkudis Lamp Light Shadow Design Luxury Fashion Berlin
PRLN MYKITA 01
Birkenstock Box

Konversation

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