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Konversation

Im Gespräch mit Niels Strøyer Christophersen von FRAMA

Wir haben die Chance genutzt, um mit Niels Strøyer Christophersen, dem Gründer und Kreativdirektor von FRAMA, über Asien, Einflüsse, zeitgenössische Kunst und Lebensweisen zu sprechen.

Ich habe gerade mit der Lektüre eines Buches von Shigeru Uchida, einem japanischen Architekten, begonnen, welches die Gegensätze der Kultur des Stehens und Sitzens erörtert. Die Kultur des Sitzens in Japan beeinflusst Architektur, das generelle Verhältnis von Horizontale und Vertikale, Dynamiken, Raumverständnis und Interieur. Der Raum mit Tisch und Stühlen, wie wir ihn kennen, existiert in Japan natürlich so nicht – man sitzt auf dem Boden bzw. auf einem Tatami und es hängen vielleicht Hocker als Additive an der Wand. In Europa haben wir so viele oftmals sinnlose Möbel, die viel Raum einnehmen und umständlich bewegt werden müssen, sodass sie fast plump wirken.

Hat die Lektüre von Uchida dich zum Hinterfragen deiner eigenen Entwürfe motiviert?

Ich habe sicherlich neu reflektieren gelernt, ja. FRAMA bietet ja glücklicherweise kein Gesamtkonzept einer Inneneinrichtung an. Es ist nicht so, dass zur Couch das passende TV- oder Netflix-Arrangement gleich mitgeliefert wird. Wir arbeiten dem Ansatz von Gemütlichkeit im nordischen Design, im Dänischen als hyggelig bezeichnet, entgegen. Unsere Möbel können zusammen funktionieren, sind aber nicht darauf angewiesen, unter ihresgleichen zu bleiben. Das scheint mir hier in der 77 ähnlich zu sein: Die einzelnen Objekte sind eigenständig und funktionieren zwar als Ganzes, widerstreben aber dem Verlangen nach einer offensichtlichen Wohnlichkeit.

Was ist das Gefühl, das FRAMA vermittelt?

Uns geht es darum, ein Bewusstsein dafür zu vermitteln, was man eigentlich mit nach Hause bringt. Es sollte also nicht darum gehen, einen Raum zu füllen, sondern die Beweggründe dafür zu hinterfragen, warum und womit man einen Raum füllt. Wenn man das tut, stellt sich automatisch ein viel größerer Bezug zur eigenen Person her. Unsere Möbelstücke stehen für Einfachheit. Es geht um das Konzept der Reduktion aufs Wesentliche, darum, Dinge nicht zu verkomplizieren: einfach aber gut essen, reduziert aber gut leben. Ein leerer Raum bietet immer Potenzial zu denken, wirft einen auf sich selbst zurück. Wenn einen zu viel umgibt, kommt der Kopf nicht weiter.

Im Gegensatz dazu scheinen Dinge in den Läden von ANDREAS MURKUDIS besonders bewusst ausgewählt, fast schon kuratiert zu sein. Der Begriff des Nichts aus dem Buch von Uchida hat mich stark beeinflusst. Der stellt ein persönliches Ziel für mich dar. Natürlich versuche ich mich immer mehr von der klassischen Konsumkultur wegzubewegen und gleichzeitig stelle ich Verkaufsprodukte her – das widerspricht natürlich meinem Wunsch nach einer Klarheit, wie ein Mönch sie lebt. Da gilt es den bestmöglichen Mittelweg zu finden und diesen immer wieder zu prüfen und zu optimieren.

Was fasziniert dich so sehr, an dieser reduzierten Lebensweise?

Die Entlastung befreit einen natürlich. Ich bin sehr kritisch, was zum Beispiel die Kommerzialisierung der zeitgenössischen Kunst anbelangt. Sie wird quasi zur Ware, die sich nur noch über ihren Marktwert messen lässt und dadurch treten zwangsläufig Kriterien der Verkäuflichkeit in den Vordergrund gegenüber solchen des künstlerischen Anspruchs und Ausdrucks. Diese Entwicklung macht sich auch in der Welt des Designs bemerkbar.

Das ist eine Bewegung des Hypes. Was in den sozialen Medien teilbar ist – und dabei geht es ja eigentlich um eine generelle Gefälligkeit –  kontrolliert die visuelle Landschaft. Wie genau äußert sich diese Entwicklung deiner Meinung nach im Design?

Design ist allgemein weniger schnelllebig als die Kunst oder Mode. Trotzdem gibt es natürlich Brands, die versuchen, ihre Verkäufe durch quasi-saisonale Produktion zu maximieren. FRAMA bleibt dabei aber strikt der Langlebigkeit verschrieben. Giulio Cappellini, der Gründer des ikonischen italienischen Möbelherstellers Cappellini, hat keines seiner Produkte aus seinem Katalog genommen – man kann sich vorstellen, wie dick der Katalog mittlerweile ist. Ich glaube fest daran, dass man Standards von Nachhaltigkeit und Langlebigkeit vertreten muss, wenn man auf dem Markt bestehen möchte.

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FRAMA hat eine sehr vielfältige Produktbreite von zum Beispiel Kosmetikprodukten hin zu Möbeln und Lichtobjekten – wie bedingt sich diese Auswahl?

Wir unterteilen unser Sortiment in drei Kollektionen: die Permanent Collection bestehend aus Möbeln, Licht, Accessoires und Literatur, die St. Pauls Apothecary Collection, die Hautpflegeprodukte und Düfte umfasst, und die Studio Collection, mit der Studio-Küche, Schränken und unseren Fixed Frames und Interieurprojekten. Der Gedanke der ständigen Sammlung und wechselnden Ausstellung eines Museums spielt da als Rahmenbedingung mit hinein.

Und euer Prinzip der Kollaboration reiht sich dabei in die Kategorie der wechselnden Ausstellung ein?

Unsere Kollaborationen fußen immer auf der Idee, gemeinsam ein noch konsequenteres Produkt anbieten zu können. Das scheint uns logischer als, sagen wir, ein bestehendes Produkt in Pink zu launchen… (lacht).

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Projekte

Lewis Baltz Sites of Technology

Die Galerie Thomas Zander und Andreas Murkudis präsentieren anlässlich des Gallery Weekends 2018 die Ausstellung „Lewis Baltz Sites of Technology“.